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Meine Reise durch Nepal und Tibet stellte mich vor allem vor eine große Herausforderung: Wie soll ich die passende Kleidung für den Dschungel Nepals und die über 5.000 Meter hohen Pässe von Tibet in einen Koffer bekommen? Bei noch keinem meiner Urlaube mussten sich die kurze Hose den Platz im Koffer mit der Skijacke teilen und die Sandalen an die Winter stiefel schmiegen. […]
Den Start meiner Reise mache ich in Kathmandu. Kaum ein Gebäude steht hier länger als 600 Jahre, fast alle mussten im Laufe der Zeit neu aufgebaut werden, weil ihnen Klima und Erdbeben stark zusetzten. […]
In den engen Gassen findet man überall kleine Schreine und Tempel, die für die Einheimischen oft mehr Bedeutung haben als die großen Pagoden vor den Palästen. Hühner laufen gackernd über die Straßen, Motorräder rasen hupend vorbei, Kinder lugen zwischen kunstvoll geschnitzten Balkongittern hervor und die Nepali-Frauen begeistern mich mit ihren traditionellen und äußerst eleganten Kleidern in zinnoberrot, knallblau, quietschgrün, pink oder gern auch sonnengelb. […]
Über den Friendship-Highway, der sich von Kathmandu bis Lhasa durch das Hochgebirge schlängelt, holpern wir zur chinesischen Grenze. Das Wort „Highway“ sollte man nicht falsch verstehen: Auf chinesischer Seite sind die Straßen geteert, auf nepalesischer Seite gleicht der Highway eher einem ungepflegten Feldweg. Die Einreise von Nepal nach Tibet gestaltet sich relativ schwierig. Wochenlang war der Grenzübergang wegen des Rücktritts des Dalai Lamas von seinen politischen Ämtern gesperrt. Als ich an die Grenze komme, ist eine Einreise möglich, allerdings nur mit einer Reisegruppe und nach einer gründlichen Koffer-Durchsuchung. […]
Nachdem sich der chinesische Grenzbeamte durch meinen Koffer gewühlt hat, zieht er triumphierend meinen Tibet-Reiseführer heraus und erklärt mir, dass ich den nicht mitnehmen könne, weil „Tibet“ darauf steht. Mal ehrlich: Dass auf einem Tibet-Reiseführer nicht „Sulawesi“ oder „Togo“ steht, ist nicht wirklich überraschend. Aber ich beuge mich widerspruchslos der chinesischen Bürokratie und lasse meinen Reiseführer zurück. Im Hochland Tibets lerne ich vor allem eines schnell: Auf 5.000 Metern über dem Meeresspiegel ist die Luft nicht nur dünn, sondern auch extrem kalt. Trotzdem wird in Restaurants, Hotels und Supermärkten die Tür nicht geschlossen, sondern lediglich mit einem dicken Teppich verhängt. Das hat zur Folge, dass ich morgens meine Skijacke anziehe und abends überlege, ob ich sie jemals wieder ausziehen soll. […]
Im Restaurant versuche ich einmal die Außentüre zu schließen, was zu kollektivem Kichern der Belegschaft führt – neben der Türe ist nämlich ein meterbreiter Spalt bis zur Mauer, so dass es völlig irrelevant ist, ob die Türe geschlossen ist oder nicht. Die 2.400 km lange Himalajakette mit ihren Giganten ist das erdgeschichtliche Ergebnis einer Kollision der indischen Landmasse mit der asiatischen: […]
Neun der 14 Achttausender sind hier zu finden. Das Wort „Himalaja“ setzt sich aus den beiden Sanskrit-Worten „Hima“ und „Alaya“ zusammen und bedeutet „Wohnsitz des Schnees“ – ein guter Name. […] Während uns in Nepal noch die ständige Smog-Wolke des Kathmandu-Tals einhüllte und die Berge komplett verbarg, springen uns in Tibet plötzlich die schneebedeckten Gipfel entgegen. Und was ist es für ein erhebendes Gefühl, endlich den Mount Everest zu sehen, der von den Briten nach Sir George Everest benannt wurde. Allerdings hatten Nepalesen und Tibeter bereits eigene Namen für den höchsten Berg der Welt: Die Nepalesen nennen ihn Sagarmatha und die Tibeter sehen in ihm Chomolungma. […]
Über diverse 5.000er-Pässe führt unser Weg durch Tibet nach Lhasa. Die Passübergänge mit ihren mit Gebetsfahnen geschmückten Toren sind die einzigen Farbtupfer in einer Landschaft, die nur aus den Farben braun, weiß und schwarz zu bestehen scheint. Dementsprechend dankbar bin ich, als wir den letzten Pass vor Lhasa hinter uns haben und auf 3.800 Metern endlich die ersten Bäume sehen. Nach rund zwei Wochen stehe ich dann vor dem Gebäude, wegen dem ich diese Reise unbedingt machen wollte: der berühmte Potala-Palast in Lhasa. Es ist das bekannteste Meisterwerk tibetischer Baukunst mit gewaltigen Dimensionen: 400 Meter lang und bis zu 117 Meter hoch, 130.000 Quadratmeter Grundfläche und bis zu 5 Meter dicke Mauern. Selbst die Chinesen können sich der architektonischen Leistung nicht völlig entziehen und erweisen ihm auf der 50-Yuan-Banknote die Ehre. […]
Bei dem Rückflug von Lhasa nach Kathmandu über den Himalaja hat man das Gefühl, dass die Bergspitzen zum Greifen nah sind. Nach den eisigen Temperaturen in Tibet geht es bei angenehmen 20 Grad weiter nach Pokhara am Annapurna-Massiv, Ausgangspunkt für Wander- und Trekking- Touristen aus der ganzen Welt, um zur Bergbesteigung oder Bergumrundung aufzubrechen. Wer zum Sonnenaufgang aufsteht, dem fallen die Berge quasi ins Hotelzimmer: Rund 50 Kilometer entfernt sieht man den Dhaulagiri mit 8.167 Metern, den Annapurna I mit 8.091 Metern, den Machhapuchhare, das „nepalesische Matterhorn“ mit 6.993 Metern und weitere Siebentausender des Annapurna-Massivs. […]
Die Gegend um den idyllischen Phewa-See ist der ideale Ort, um ein paar Tage die Seele baumeln zu lassen und gemütlich über verschlungene Pfade durch Bergdörfer zu wandern. […]
Und schon bricht die letzte Etappe meines Urlaubs an – die Fahrt in den Chitwan-Nationalpark. Der Park ist die Heimat von rund 400 Panzernashörnern und 120 Tigern. Letztere bekommt man so gut wie nie zu Gesicht, weil sie extrem scheu und nachtaktiv sind. Man kann gut zu Fuß auf Safari gehen, aber auch mit dem Kanu gemütlich dahinschippern oder auf Elefanten durch den Dschungel reiten. Da der Geruch des Elefanten den des Menschen überdeckt, hat dies den Charme, dass man sehr nah an die Nashörner herankommen kann. Außerdem ist der Rücken des Elefanten der sicherste Ort, denn man sollte die Gefahr, die von einem Nashorn ausgeht nicht unterschätzen. Tatsächlich sehe ich nicht nur ein männliches Nashorn sondern auch ein weibliches Nashorn mit seinem entzückenden Baby. […] Nach drei Wochen endet mit der Rückfahrt vom Chitwan-Nationalpark nach Kathmandu eine Reise für mich, die nicht nur Temperatur- Schwankungen von gefühlten -15 Grad bis +35 Grad mit sich brachte, sondern auch über 1.700 Fotos! […]