Modernstes Muscat, tiefste Wadis und höchste Gebirge

Wir erreichen Muscat am frühen Morgen und genießen den Anblick von Muscat im Licht der aufgehenden Sonne. Die weiße Stadt, die sich über 30 km Länge vor dem dunklen Hajar- Gebirge eng in eine Bucht des Golf von Oman schmiegt, zeigt uns im ersten Anblick ihre moderne Seite. Große Straßen, riesige Gebäude und vor allem zahlreiche Autos bestimmen den ersten Eindruck der Stadt. Im Hotel angekommen, nehmen wir uns erst einmal Zeit für ein ausgiebiges Frühstück und fahren mit unserem Bus in den alten Stadtteil Muttrah. Hier werden wir an Märchen aus 1001 Nacht erinnert, wenn uns der Duft von Gewürzen und Weihrauch im Souk um die Nase weht. Die Superlative, mit denen die moderne Große Sultan Qaboos Moschee aufwartet, sind kaum aufs Foto zu bannen. Im Fisch- und Gemüsemarkt bestaunen wir das reiche Angebot und freuen uns über die Frischluft, wenn wir am Sultanspalast einen Fotostopp einlegen. Wir erfahren, die Bedeutung der nahe gelegenen Forts Jalali und Mirani und unser Reiseleiter erklärt uns, warum Sultan Qaboos bei seinen Untertanen so beliebt ist. Nachmittags können wir uns im Hotel etwas ausruhen oder uns bei einem Sprung in den Pool abkühlen. Abends, auf dem Weg zu unserem Spezialitätenessen in einem traditionell arabischen Restaurant, nutzen wir die Gelegenheit für eine Stadtrundfahrt unter dem Motto: „Muscat by Night“.

Tags darauf starten wir mit unseren klimatisierten Allradfahrzeugen ins westlich gelegene Hajar-Gebirge! Die wendigen Fahrzeuge, die maximal mit vier Reisenden plus Fahrer besetzt werden, ermöglichen uns, die abenteuerlichen Wege durch die verschiedenen Wadis, zu entlegenen Bergdörfern und auf die höchsten Plateaus des Jebel Akhdar und Jebel Shams (2.000 m) zu bewältigen. Die beiden Übernachtungen am Jebel Shams sind etwas ganz Besonderes: Während die meisten Besucher abends nach einer kurzen Wanderung den Berg wieder verlassen, können wir bleiben und die Abendstimmung mit dem Wandel von Licht und Schatten auf den umliegenden Bergen von unseren Chalets aus genießen. Die Wanderung am Plateau direkt am Canyonrand mit Blicken über die schroffe und zerklüftete Gebirgswelt bleibt unvergesslich!

Wüsten- und Küstenbewohner

Unterwegs in die Wüste halten wir beim Wadi Bani Khalid und können das kühle Nass in den natürlichen Pools genießen. Für die omanischen Familien ist das Wadi ein beliebtes Ausflugsziel am Wochenende. Sie kommen hierher, um zu baden und zu picknicken. Eine bunte und entspannte Atmosphäre, bei der wir vielleicht mit dem ein oder anderen ins Gespräch kommen können. Am späten Nachmittag erreichen wir die Sharqiyyah Wüste und die Wahiba Sands. Wir beziehen unsere komfortablen Hauszelte inmitten von Dünen aus goldgelbem Sand und finden uns, sobald es abends schnell kalt wird, im großen Beduinenzelt ein, wo wir die Beduinenküche unserer Gastgeber kennenlernen. Vielleicht erzählt jemand alte Geschichten am Feuer oder es wird zur Trommel getanzt und gesungen.

Nach einem gemütlichen Frühstück steht eine aufregende Fahrt im Geländewagen auf dem Programm. Die Fahrer zeigen bei unseren Fahrten kreuz und quer über die Dünen, dass sie ihre Wagen wirklich unter Kontrolle haben. Nachmittags genießen wir die Zeit im Camp und die endlos erscheinende Weite der Wahiba Sands. Am nächsten Morgen besuchen wir in der Nähe eine Beduinenfamilie und bekommen einen kleinen Einblick in ihren Alltag.

Danach nehmen wir Abschied von den Wüstenbewohnern und fahren nach Sur, der alten Hafenstadt, die einst für ihren Dhau-Bau berühmt war. Bei einem Spaziergang durch die alte Dhau-Werft bekommen wir einen Eindruck von der Fertigung dieser Schiffe in früheren Jahren. Ein schön restauriertes Beispiel einer traditionellen Dhau ist die „ Fatah al Khair“ die aufgedockt am Strand steht. Am Abend können wir in Ras Al Jinz oder Ras Al Had mit etwas Glück Schildkröten bei der Eiablage oder beim Schlüpfen beobachten. Fünf von sieben weltweit vorkommenden Schildkrötenarten sind an den Küsten Omans heimisch und kommen zur Eiablage immer wieder hierher. Die Eiablage findet das ganze Jahr über statt und unser Reiseleiter hat noch keine Tour erlebt, bei der er keine Schildkröte gesehen hätte. Also, die Chancen stehen gut! Am nächsten Morgen fahren wir mit grandiosen Aussichten entlang der Küste Richtung Muscat. Unterwegs halten wir am Wadi Tiwi, wo wir vorbei an natürlichen Pools mit idyllischen Dattelpalmen zwischen hohen Felswänden eine kurze Wanderung unternehmen. Die Badesachen benötigen wir auch am Bima Sinkhole, wo wir uns im traumhaft smaragdgrünen Wasser erfrischen können.

Gegen Abend erreichen wir wieder Muscat, von wo aus wir am nächsten Tag unseren Heimflug antreten.

Ziegengemecker und alte Lehmfestungen

Während der Reise haben wir immer wieder Gelegenheit für kleine Spaziergänge durch alte Dörfer mit Häusern in traditionellen Bauweisen, die sich von Dorf zu Dorf deutlich unterscheiden. So finden wir in Misfah Steinhäuser und Terrassengärten, während in Al Hamra die Häuser überwiegend aus Lehm gebaut wurden. Bei Nakhal entdecken wir die mächtige Festung neben einem riesigen Palmengarten. Nicht weit entfernt entspringt die heiße Quelle Ayn Thowarah, wo wir unsere Füße ins warme Wasser halten können. Den einfühlsam restaurierten und mit zeitgenössischen Möbeln ausgestatteten, historischen Wohnpalast von Jabrin werden wir von Innen besichtigen, wohingegen das Bahla Fort allein schon durch den Anblick seiner gewaltigen Größe beeindruckt.

Die meisten Festungen in Oman sind in den letzten Jahren perfekt restauriert worden, so dass man manchmal den Eindruck hat, sie seien gerade erst erbaut worden. Das Wadi Al Maudeen überrascht uns mit seinem ausgeklügelten Bewässerungssystem. Seit Jahrhunderten sorgen kilometerlange Leitungssysteme, die hier Falaj genannt werden, für die Bewässerung der Felder und Dörfer. Die omanischen Falaj sind weltweit einzigartig und als Weltkulturerbe der UNESCO ausgezeichnet. Ein Highlight der Reise ist der Aufenthalt in Nizwa, wo wir das von Sultan Bin Saif erbaute Fort aus dem 17. Jahrhundert bestaunen. Im modernen Souk werden große Mengen der omanischen Spezialität „Halwa“ verkauft und wir erfahren aus welchen erlesenen Zutaten diese süße Sünde hergestellt wird. Unsere Übernachtung in Nizwa ist so geplant, dass wir am nächsten Morgen vor unserer Abfahrt in die Wüste den berühmten Ziegen- und Rindermarkt von Nizwa, der nur freitags stattfindet, besuchen können.

Die Bauern der Umgebung finden sich im Zentrum Nizwa’s rund um einen Pavillon ein. Die Verkäufer führen ihre Tiere einzeln an der Leine, umrunden mit ihnen den Pavillion und rufen zwischen dem unaufhörlichen Gemecker der Ziegen laut den Preis aus, den sie erzielen möchten. Wir mischen uns mitten unter die Kaufinteressenten und beobachten das lebhafte Treiben.