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Februar 2014

Abenteuer Senegal

Ein Reisebericht von  Alfred Doschkal

Im Februar 2014 war Alfred Dotschkal mit WORLD INSIGHT in Senegal unterwegs. Im Reisebericht erzählt er von seinem persönlichen "Abenteuer Senegal".

„Ku la abal bët wan la fi ngay xool.“

Wer dir seine Augen verleiht, zeigt dir auch, wohin du siehst.


Wir sitzen im Restaurant am Strand von Dakar, trinken zum Abschied unser letztes „La Gazelle“ und blicken in die untergehende Abendsonne. Erst kurz vor Mitternacht geht unser Flieger zurück, zunächst nach Madrid. So ist auch der letzte Tag unserer Erlebnisreise durch den Senegal noch voll bestückt mit neuen Eindrücken. Von Mohamed, unserem tollen Reisebegleiter der vergangenen zwei Wochen, lernen wir zum Abschluss landestypische Sprichwörter in Wolof kennen. Wir versuchen, sie in unsere Erfahrungswelt zu übertragen und plaudern dabei über unsere gemeinsame Rundreise. Zwei Wochen Afrika-Erlebnis pur liegen nun hinter uns, Abenteuer und unerwartete Impressionen, die noch lange nachwirken werden und fest in Erinnerung bleiben.
Dakar, ehemaliges Ziel der Rallye Paris-Dakar, und sonst? Das Landeswissen unserer 7-köpfigen Reisegruppe über Senegal ist teilweise recht dürftig, als wir auf dem Léopold-Sédar-Senghor-Flughafen landen. In Madrid haben wir zusammengefunden, Gepäckanhänger und Reisebeschreibung von WORLD INSIGHT waren die Erkennungsmerkmale. Passkontrolle und Gepäckausgabe funktionieren wider Erwarten nahezu reibungslos und in der Halle erwartet uns schon unser Reiseleiter Mohamed und begleitet uns zum Hotel. Wir beschließen den milden Abend im Garten des Hotels „Casa Mara“ und trinken erstmals „La Gazelle“, ein im Senegal gebrautes Flaschenbier.

Unser Abenteuer beginnt am nächsten Tag. Schon am Nachmittag wird es erstmals spannend: Nur mit Mühe quälen wir uns durch den stockenden Verkehr und erreichen buchstäblich in letzter Sekunde die Fähre zur Insel Gorée. Von dort aus wurden Sklaven nach Amerika verladen. Das Sklavenhaus mit der „Tür ohne Wiederkehr“ erinnert an diese dunkle Zeit des Menschenhandels. Aber auch Saint-Louis, unser nächstes Reiseziel, war einst ein unrühmliches Zentrum der Sklavenverschiffung. Auf der Fahrt dorthin probiert Mohamed seine neue „Flüstertüte“ aus Fernost aus und beschallt uns – rückwärtig vom Beifahrersitz aus – mit Wissenswertem über Land und Leute.

Mohamed versteht es, uns möglichst viele Facetten des Landes näher zu bringen. Mehrmals auf unserer Erlebnistour halten wir spontan an, besuchen Nomadenfamilien und Dörfer abseits der Straße und lernen die Menschen, ihren Alltag und ihre Umgebung kennen. Und für die Erwachsenen und die vielen Kinder sind wir Europäer, die „Tubaab“, eine willkommene Abwechslung. In Saint-Louis quartieren wir uns im „Hotel de la Poste“ ein, dem ältesten und geschichtsträchtigsten Hotel des Landes. Schnell werden die Sachen im Zimmer verstaut und wir starten zu dritt zum Erkundungsspaziergang. Das Hafenviertel von Saint-Louis wie es leibt und lebt! Was wir zu sehen bekommen, verschlägt uns die Sprache: Die bunten Fischerboote am Strand, dazu die vielen wuselnden Menschen und Tiere inmitten eines wirren Durcheinanders von Wellblechhütten und Ständen, Gerümpel, Futterstellen, Fuhrwerken, Müll und Unrat. Der Eindruck ist unbeschreiblich! Vorsichtig wagen wir uns in die Seitenstraße längs des Flusses und werden vom Wirrwarr aufgesogen. Kinder laufen und spielen in diesem Durcheinander. Sie beobachten uns beim Fotografieren und möchten selbst gerne aufs Bild kommen. Nur mit Mühe können wir den Abstand zwischen ihnen und der Kameralinse halten und nach jedem Foto wird gerangelt, um sich selbst auf dem Display sehen zu können. Mehr geht nicht, denkt man, aber der Eindruck wird am nächsten Abend auf unserer Kutschfahrt zum Hafen noch getoppt! Der Kutscher bringt uns durch enge, mit Menschen, Tieren, Wäsche und anderen Dingen gefüllte Straßen bis zum Strand. Soweit das Auge reicht, warten afrikanisch bunt gekleidete Frauen und tobende Kinder auf die ankommenden Fischerboote. Sobald ein Boot landet, stürzen sich Männer mit leeren Kisten auf den Fang und tragen diese gefüllt auf dem Kopf zur Verarbeitungs- oder Verladestation. Etwas vom Ufer entfernt beginnt das Chaos der Fischverarbeitung und wer es nicht gesehen hat, kann sich das Durcheinander kaum vorstellen!

Wie idyllisch ist im Vergleich dazu der Besuch im Vogelparadies Djoudj! Inmitten von unzähligen Pelikanen, Reihern und anderen Wasservögeln durchkreuzen wir mit einem Motorboot die Seenlandschaft, vorbei an steinigen und dicht bevölkerten Brutstätten. Nicht nur die Vögel, auch Schlangen, Warane und Krokodile finden in diesem Nationalpark reichlich Nahrung. Mittags halten wir bei Nomadenfamilien und dürfen ihre sauberen Strohhütten betreten und besichtigen. Bei einer senegalesischen Familie ist für uns Thieboudienne zubereitet. Auf dem Boden sitzend essen wir mit Fingern und Gabel aus gemeinsamen Schalen das Nationalgericht aus Fisch und Reis.

Ehemaliges Ziel der Rallye Paris-Dakar und nächstes Etappenziel unserer Reise ist der Lac Rose, ein Salzsee mit der Konsistenz des Toten Meeres. Wir fahren mit einer Piroge auf den See hinaus und begegnen den Salzbauern, die, bis zu den Schultern in der Salzlake stehend, mit Pickelstab und Auffangkorb mühselig das Salz auf dem Boden abtragen und in Boote einfüllen. Was für eine Knochenarbeit… Und ständig vom Salzwasser umgeben!
Wir besuchen das Schutzgebiet Bandia. Dieses Tierreservat ist nicht sehr groß und bei weitem nicht mit Serengeti- oder Krüger-Nationalpark zu vergleichen. Dennoch bekommt man Nashörner, Giraffen, Gazellen, Krokodile, bunte Vögel und andere Tiere zu Gesicht. Das entschädigt uns etwas für die späteren Pirschfahrten durch die Mangroven und den Nationalpark Niokolo-Koba, da wir bei beiden Touren weniger Glück hatten und leider kein Wild erblickt haben. Der Februar und die gewählte Tageszeit scheinen für Tierbeobachtung nicht besonders geeignet gewesen zu sein… Am Abend genießen wir den Sonnenuntergang am Strand vom Dorfcampement Yokam und probieren Sum-Sum, einen senegalesischen Likör, der „die Sonne im Kopf scheinen lässt“, verdünnt mit Saft aus der Baobab-Frucht. Wir verstehen, dass dieser Cocktail auch abhängig machen kann. Morgens um 7:00 Uhr wird noch im Dunkeln gefrühstückt, denn heute fahren wir eine lange Strecke in die wärmste Gegend Senegals am Oberlauf des Flusses Gambia. Über Sandpisten passieren wir das Saloum-Delta und pausieren erstmals in Kaolack. Es klingt unwirklich, aber es sind tatsächlich Erdnussberge, die sich hier auftürmen! Erdnussanbau ist noch ein Relikt aus der französischen Kolonialzeit und führte zur Monokultur im Lande. Kilometerlange LKW-Schlangen warten voll beladen auf den Abtransport der Erdnüsse. Die Straßen bis Tambacounda und weiter bis Wassadou sind asphaltiert, aber oftmals voller Schlaglöcher. Ibrahim, unser Fahrer, versteht es, geschickt diese Achsenbrecher zu umfahren. Wir sind nun im Landesinneren. Immer wieder tauchen am Straßenrand kleinere und größere Dörfer mit ihren aus Lehm gefertigten Rundhütten und Dorfbrunnen, einsturzgefährdeten Obst- und Gemüseständen und abenteuerlichen Handwerks- und Reparaturstätten auf und wir sammeln neue Eindrücke am laufenden Band.

Ein paar Tage später ist „Einstimmungs-Wandertag“: Über staubige Sandpisten erreichen wir ein Dorf, den Ausgangspunkt einer zweistündigen Wanderung zum Dindéfelo-Wasserfall. Der Weg ist einigermaßen angenehm und führt durch schattiges Waldgebiet. Nur einer wagt sich in den kleinen See am Fuße des Wasserfalls, für alle anderen ist das Wasser zu kalt und der Boden zu steinig. Zurück im Dorf erwartet uns heißer Tee, auf senegalesische Art zubereitet. Es ist schon eine kleine Kunst, den Tee über einen langen Strahl mehrfach umzufüllen und dabei den Teeschaum zu erzeugen. Auf dem Rückweg nach Kédougou müssen wir mehrfach stoppen, um Termitenhügel zu bewundern, die wie etwas klein geratene Dorfhütten aussehen. Wer hat wohl von wem abgeguckt? Der zweite Wandertag ist etwas anstrengender. 400 Meter Höhenunterschied auf Trampelpfaden zu erklimmen, ist für einige von unserer Gruppe schon recht mühselig, auch wenn die Einheimischen dieses täglich mit Gepäck auf dem Kopf und mit Kind auf dem Rücken bewältigen. Ein junger Bursche schleppt für uns 25 kg Salz den Berg hinauf. Zusammen mit einem Beutel Kolabohnen ist es das Gastgeschenk für die Bewohner des Bassari-Dorfes, die wir besuchen wollen. Vom Vorsteher und vom abgesandten Lehrer erfahren wir einiges über Geschichte und Leben der Bassari. Sie wurden einst verfolgt und als Sklaven verkauft. Deshalb leben sie auch heute noch zurückgezogen in den Bergen in alter Tradition und christlich-animistischen Glaubens. Wir besuchen die Kirche und die zwei Klassenräume der Schule und dank der Kolabohnen ist auch das Fotografieren der Dorfbewohner und ihrer Alltagsutensilien kein Problem.

Ein langer Reisetag liegt wieder vor uns. Früh verlassen wir das Camp für den Weg zurück in Richtung Kaolack. In der Nähe des Flusses Gambia halten wir bei einem Goldgräberdorf an. Die Bewohner arbeiten für ein Unternehmen und buddeln die Landschaft im Umkreis des Dorfes um. Es gleicht einer Mondlandschaft mit metertiefen, ungesicherten Löchern. Die ausgegrabene Erde wird von Hand gestampft, gesiebt und gewaschen. In der Schale zeigt sich dann ein kleines Häufchen Goldstaub. Aber es muss sich wohl lohnen, denn auch aus anderen afrikanischen Ländern kommen Arbeiter mit ihren Familien.

„Pëndu tank, moo gën pëndu taat.“

Fuß-Staub ist besser als Po-Staub oder frei übersetzt:
Wer etwas erreichen will, muss sich dafür bewegen.


Am nächsten Tag machen wir einen Rundgang durch die Markthallen in Kaolack. Die Eindrücke sind natürlich wieder überwältigend und die Zustände würden bei uns sofort zur Schließung aller Auslagen führen. Auf dem Weg Richtung Dakar besuchen wir ein Dorf der Serer. Sie sind neben den Wolof und Pulaars die drittgrößte Volksgruppe im Senegal. Im Dorf leben Christen und Moslems zusammen, teilweise in derselben Familie. Zur Schule gehen nur die Jungen, weil „der Schulweg für die Mädchen zu beschwerlich ist“.

An unserem letzten Tag im Senegal besuchen wir in der Medina von Dakar eine Handwerkskooperative, die Gebrauchsgegenstände, Spielzeug und Kunstwerke aus Kronkorken, Blechdosen usw. erstellt. Wir dürfen uns selbst versuchen und aus Kronenkorken und Draht einen eigenen Untersetzer oder Schlüsselanhänger basteln. Es ist für uns etwas einfacher, weil die Löcher für die Drähte schon gestanzt sind. Schließlich hält man sein eigenes „Kunstwerk“ in den Händen. Noch ist etwas Zeit bis zum Mittagessen und wir treffen den Straßenlehrer „Ohne Hoffnung“, der unentgeltlich Straßenkinder unterrichtet. Seinen Namen erhielt er von seinen Eltern. Seine fünf Geschwister sind alle nach der Geburt gestorben und man war überzeugt, dass ihn das gleiche Schicksal ereilen würde. Wir dürfen auch einen Blick in die „Klassenzimmer“ der Altstadtkinder werfen; einen Raum könnte man vielleicht gerade noch so bezeichnen. Der Weg zurück zur Kooperative führt uns an einer Aluminiumgießerei für Kochtöpfe vorbei. Unter einer wilden Konstruktion aus Wellblech und anderen Abdeckmaterialien arbeiten Männer und Kinder, ohne Schutz, barfuß oder mit einfachen Latschen bekleidet, an den heißen Bodenöfen und gießen das flüssige Metall in die angefertigten Formen. Unglaublich!

Wieder zurück in der Kooperative wird für uns der Tisch gedeckt und eine gemeinsame Schüssel mit Fisch, Salat und superscharfen Zwiebeln, dazu Baguette, erwartet uns. Es sind nicht genügend Gabeln verfügbar und man beschließt, noch welche zu kaufen. Aber wir haben gelernt, mit den Fingern zu essen und als die neuen Gabeln eintreffen, die man sich wohl in der Nachbarschaft geliehen hat, sind wir bereits mit dem Essen fertig. Nun sitzen wir hier, im Restaurant am Strand von Dakar, und trinken zum Abschied unser letztes „La Gazelle“. Die Sonne ist mittlerweile untergegangen und im Lokal ist der Abendbrottisch für uns gedeckt. Nach dem Abendessen bringen uns Ibrahim und Mohamed zum internationalen Flughafen. Danke euch beiden, dass wir mit euch eure Heimat so intensiv kennengelernt haben! Wir haben Land und Leute hautnah gespürt! Die großartigen Erlebnisse, die wunderbaren Bilder und die bewegenden Eindrücke, nichts davon möchten wir missen! Unsere Unterkünfte waren oftmals einfach, aber zweckmäßig und sauber. Fast immer hatten wir Strom und auch warmes Wasser zum Duschen; das Frühstück war zugeteilt, aber wir hatten genug zu essen, morgens gab es heißen Kaffee und wir hatten immer frisches Trinkwasser. Wer sich damit anfreunden und etwas Luxus entbehren kann, Land und Leute kennenlernen will und das Abenteuer sucht, hier kann man es erleben!

Alfred Dotschkal

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