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November 2016

Auf dem Bike durch die Savanne

Ein Reisebericht von  Verena Fitzke

Mit dem Fahrrad durch Namibia bedeutet neben Schotterpisten und viel Schweiß auch Abenteuer pur: Verena Fitzke berichtet von Wüstenelefanten, bedrohlichen Geräuschen im Nachtlager und einer nahenden Gewitterfront.

Das Reiseangebot im Katalog von WORLD INSIGHT hatte mich sehr angesprochen. Bewegung in der Natur ist für mich ein wichtiger Erholungsaspekt. Da ich jedoch nur eine sporadische „Wochenend-Radfahrerin“ bin, war für mich besonders wichtig, dass die Radreisegruppe dauerhaft von einem Begleitfahrzeug, in das man jederzeit umsteigen kann, eskortiert wird.

Nun sind wir also in Windhoek gelandet. Es ist schon am frühen Morgen richtig heiß. Wir haben Anfang November - Frühsommer im Süden Afrikas. Am Nachmittag nehmen wir unsere Trekking-Räder in Empfang. Sie sind solide und gut in Schuss. So können elf Teilnehmer mit Freddy, unserem Guide und Fahrer, Happy, unserem Koch und Helfer für alle Fälle, sowie Sophie, einer jungen, radvernarrten namibischen Volontärin, am nächsten Tag zum Abenteuer Namibia aufbrechen.

Los geht's

Zeitig am Morgen brechen wir auf. Unser Bus bringt uns bis zum Kupferberg-Pass. Dort steigen wir um: aufs Rad und auf die Pad. Da diese in unserem Fall aus Schotterpiste besteht, werden wir zunächst so richtig durchgeschüttelt. Nun fahren wir über die hügelige Straße dahin. Es ist ein tolles Gefühl, in Namibia angekommen zu sein. Bald steigt die Sonne höher und es wird unerbittlich heiß. Jetzt verstehe ich, warum Freddy gleich am ersten Tag darauf bestanden hat, dass sich jeder für die ersten zwei Tage einen 5-Liter-Kanister Trinkwasser kaufen sollte. Sophie betätigt sich derweil als Begleiterin, Aufpasserin und manchmal Antreiberin für die Gruppe. Gegen 11 Uhr wird es so unerträglich heiß, dass ich mit einigen anderen in den Bus umsteige. Nur ein paar von uns kämpfen sich weiter durch die Mittagshitze, bis wir sie mit der Namibischen Crew bei einem Lunch in der Wildnis empfangen.

Am Abend kehren wir in die Rooisand-Lodge ein. Der Hausherr Volker spricht lupenreines hochdeutsch, obwohl er noch nie in Deutschland war. Er ist in Namibia aufgewachsen und hat die Lodge mit Campingplatz vor ein paar Jahren von einem deutschen Paar gekauft. Er serviert uns nach einem anstrengenden und erlebnisreichen Tag das Abendessen – Zebraschnitzel. Unsere Zelte schlagen wir gemeinsam auf seinem nahe gelegenen Campingplatz auf und verbringen eine ruhige Nacht unter dem Afrikanischen Sternenhimmel.

Gratwanderung zum Sonnenaufgang

Weiter geht´s Richtung Sossusvlei. Dieses Mal zelten wir im Sesriem-Nationalpark. Der Vorteil dieses Platzes ist, dass wir bereits im Morgengrauen, vor Öffnung des Nationalparks Richtung Düne 45 aufbrechen können. Damit haben wir die Chance, den Sonnenaufgang auf der Düne zu erleben, noch bevor sie die zahlreichen Touristenbusse und viele Selbstfahrer erreichen.

Der Bus lädt uns kurz vor Sonnenaufgang am Fuß der Düne aus. Es ist Kalahari-Sand, der sich hier rund 170 Meter hoch aufgeweht hat. Die Düne liegt in Mitten eines Areals, dass sich zig Kilometer weit Düne an Düne bis zum Atlantik erstreckt. Absolut eindrucksvoll. Unser Ziel, den Sonnenaufgang oben auf dem Grat zu erleben, sieht wieder nach einiger Anstrengung aus. Wir sind so erwartungsfroh, dass wir einfach losstapfen. Zwei Schritte vor und ein halber zurückgerutscht. Egal. Wir laufen unbeeindruckt und ohne Pause weiter. Nach 20 Minuten sind die Schuhe voller Sand und das Ziel erreicht. Geschafft.

Der Sonnenaufgang kann kommen und lässt nicht lange auf sich warten. Was jetzt geschieht, lässt sich kaum in Worte fassen. Vielleicht können Fotos eher einen Eindruck vermitteln. Die Sonne kommt zunächst zögerlich und dann immer schneller über die Dünen. Sie hüllt die ganze Szenerie in verschiedenste Farbtöne. Alle Schattierungen von gelb und rot sind dabei. Eine riesige Dünenlandschaft liegt ausgebreitet vor uns. Die Dünen werfen malerische Schatten und ein paar verdorrte Bäume strecken ihre Äste geheimnisvoll in den Himmel. Es ist kühl und still, bis die Sonne eine Höhe erreicht hat, in der wir die ersten warmen Strahlen auf der Haut spüren können. Ein Traum! Nach dem Abstieg gibt es das Frühstück direkt am Bus. Hungrig und glücklich sitzen alle nebeneinander auf ihren Feldstühlen und lassen das soeben Erlebte Revue passieren.

Morgendliches Erwachen

Die nächste Nacht verbringen wir in der Weltevrede Guest Farm. Am Abend wird Springbock serviert. Die sehr liebevoll im afrikanischen Stil eingerichteten Zimmer haben kleine Terrassen mit Blick auf ein beleuchtetes Wasserloch. Hier kann man in der Dämmerung sitzen und beobachten, welche Tiere sich einfinden.

Nach einer ruhigen Nacht stehen wir auf der Terrasse und erleben zufällig das Erwachen der Springböcke. Wir halten den Atem an und trauen uns nicht, uns zu bewegen. Wir wollen nicht stören und alles so erleben, wie es wahrscheinlich jeden Morgen in der Herde abläuft. Die Springböcke haben dicht an dicht in einer Kuhle direkt vor unserer Terrasse geschlafen. Langsam steht das erste Tier auf, streckt sich und geht vorsichtig in Richtung Wasserloch. Als klar ist, dass der Weg zur morgendlichen Tränke gefahrfrei beschritten werden kann, stehen nach und nach die anderen Tiere der Herde auf, strecken sich und gehen vorsichtig dem Leittier nach. Alles verläuft geräuschlos. Nach zehn Minuten sind die Springböcke in die Weite der Namib-Wüste weitergezogen.

Wüstenelefanten am Brandberg

Nach einigen weiteren Stationen und viel Bewegung auf dem Rad sind wir nun unterwegs Richtung Brandberg. Wir haben erfahren, dass in dieser Gegend die seltenen Wüstenelefanten leben, und hoffen, einen zu Gesicht zu bekommen. Angekommen in der White Lady Lodge finden wir neben dem kühlen Bier auch diverse Belehrungen zum richtigen Verhalten bei Elefantenkontakt. Gerade jetzt beginnt die Musth-Periode der Elefanten, eine Periode erhöhter Testosteron-Produktion und gesteigerter sexueller Aktivität beim Bullen, was zu einer besonderen Herausforderung werden kann. Dass ich als „Fußgänger“ die Taschenlampe ausschalten, ruhig und mit entsprechend großem Abstand am Tier vorbeigehen soll, verstehe ich noch. Die Empfehlung, drei Meter in die Höhe zu steigen und dort mindestens eine halbe Stunde nach Abzug des Elefanten zu bleiben, kann ich mir nur schwer vorstellen.

Wir wollen zunächst unsere Zelte auf dem Campingplatz aufschlagen. Freddy zeigt uns auf Nachfrage nach den Elefanten einen Fußabdruck, direkt auf dem Campingplatz. Nicht ganz wohl, beschließen wir, alle Zelte möglichst nah beieinander unter einem Baum aufzuschlagen. Das Abendessen in der Lodge ist reichlich und wird durch eine Gesangsperformance der Küchencrew abgerundet. Erstaunlich, dass hier offenbar jeder Angestellte singen kann. Die Lebensfreude spricht aus Gesang, Tanz und fröhlichen Gesichtern. Nach dem Abendessen fahren wir zurück ins Camp und legen uns zur Ruhe.

Doch die Ruhe währt nicht die ganze Nacht. Durch merkwürdige Geräusche werde ich geweckt. Es raschelt, als ob ein Tier – vielleicht ein großes graues – Zweige aus Baum und Büschen reißt und verspeist. Mein Mann sitzt ebenfalls aufrecht im Zelt. Uns läuft ein Schauer den Rücken herunter. Nur nicht bewegen und keinen Lärm machen. In einigen Zelten um uns herum schnarcht manch Teilnehmer einfach friedlich weiter. Kann das denn wirklich sein, dass wir nächtlichen Elefantenbesuch haben? Nach einiger Zeit ist der Spuk vorbei. Doch hieß es nicht, dass man mindestens eine halbe Stunde nach Abzug warten soll? Den Toilettenbesuch werde ich wohl verschieben müssen.

In dieser Nacht werden wir noch einmal von tierischen Mitbewohnern besucht. Jetzt klingen die Geräusche etwas anders und durch die Zelttür kann ich die Umrisse von Ziegen erkennen. Sie haben die Hülsenfrüchte unseres Baumes entdeckt, die bei einem Windstoß zur Boden geweht wurden. Ich bin erleichtert, dass ich jetzt sehen kann, was um unsere Zelte schleicht. Am nächsten Morgen gehen wir unter dem Baum auf Spurensuche. Von Elefantenspuren ist nichts zu sehen – dann waren es wohl doch die farmeigenen Esel, die uns einen solchen Schrecken eingejagt hatten. Jetzt können wir sogar über die mit uns durchgegangene Fantasie lachen. Erleichtert fahren wir weiter Richtung Etosha-Nationalpark.

Erster Regen in Etosha

Das Highlight einer jeden Namibia-Reise sind wohl die vielen Tiere im Etosha-Nationalpark. Nach intensiven Radtagen, haben wir nun zwei Tage auf Pirsch im Bus vor uns. Ich bin sehr gespannt, was wir alles sehen werden. Löwen würde ich gern in freier Wildbahn erleben!

Gleich bei Ankunft im Camp Okaukuejo soll das erste tierische Erlebnis auf uns warten. Zwei große Herden Elefanten haben sich am camp-eigenen Wasserloch eingefunden. Die eine badet gerade, die andere wartet geduldig darauf, an die Reihe zu kommen. Beide Herden haben Jungtiere in allen Altersgruppen dabei. Umringt werden die Elefanten von Springböcken, Oryx und Zebras. Sogar eine Giraffe zupft ein paar grüne Blättchen von einem Busch. Das hatten wir in dieser Fülle nicht erwartet.

Nach einer ruhigen Nacht im Zelt brechen wir am zweiten Tag zu unserem „Groß-Pirschtag“ auf. Im Sonnenaufgang finden wir Löwen und Herden von Gnus, Impalas, Giraffen und Zebras. Einige Kudus und Strauße tauchen ebenfalls auf. Viele Tiere haben Junge. Es ist faszinierend. Mein Mann versucht für die Zeit nach dem Urlaub, alles auf Fotos zu bannen. Das extra für diesen Urlaub gekaufte Objektiv macht sich jetzt so richtig bezahlt. Es sind sehr schöne Motive dabei.

Am Nachmittag beobachten wir junge Löwinnen an einem Wasserloch. In der Ferne sehen wir bereits eine Unwetterfront mit zuckenden Blitzen auftauchen. Doch das stört uns nicht. Noch nicht. Viel zu faszinierend ist es zu beobachten, wie Schakale vorsichtig, die Löwinnen immer im Auge behaltend, zum Wasserloch kommen. Ein weiterer männlicher Löwe mit wie gekämmt wirkender Mähne taucht auf und trinkt ganz nahe vor unseren Augen.

Doch inzwischen ist die Gewitterfront näher gekommen und rollt direkt Richtung Camp. Wir müssen aufbrechen. Ob wir es noch rechtzeitig zurück ins Camp schaffen? Freddy brettert über die Piste und gibt sein bestes. Kurz vor dem Sandsturm kommen wir im Camp an. Wir sichern die Zelte in den ersten Böen voller Staub mit zusätzlichen Heringen und bringen uns dann in der gemauerten Küche und im Bus in Sicherheit. Unser Koch Happy kocht derweil seelenruhig unser Abendessen weiter. Er meint, dass kein nennenswerter Regen kommen wird, und lässt den Potjie, einen dreibeinigen Topf aus Gusseisen, einfach draußen auf dem offenen Feuer stehen. Er sollte Recht behalten. Nur ein paar wenige Tropfen schaffen es bis zum Boden. Der Sand und Staub in der Luft beschert uns aber die schönsten Sonnenuntergangsfotos der gesamten Reise.

Inzwischen sitze ich wieder zu Hause in Deutschland. 1.300 Fotos helfen mir, diese tolle Reise noch einmal zu durchleben. Der Fotofilm, mit dem wir unsere Freunde und Bekannten ebenfalls von diesem Reiseziel begeistern wollen, ist fast fertig. Wir werden noch sehr lange von diesem Urlaub zehren. Es war die richtige Mischung aus Erlebnis, Abenteuer, Sport und Komfort. Wir haben freundliche und engagierte Menschen kennengelernt und wir werden gern zurückkommen – in ein paar Jahren – ganz bestimmt!

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