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Juli 2011

Indien – Ladakh

Ein Reisebericht von  Uta und Gerhard Grammes

Nach einem kurzen Aufenthalt in Delhi mit Stadtbesichtigung sind wir froh, dem hektischen, lauten und chaotischen Teil Indiens entfliehen zu können und machen uns auf den Weg nach Ladakh. Schon nach kurzer Zeit haben wir aus dem Flieger einen herrlichen Ausblick auf eine gigantische Bergwelt im hohen Norden von Indien, zwischen dem chinesisch besetzten Tibet und Pakistan. Besonders im milden Licht der Abendsonne strahlen die schneebedeckten Gipfel der Karakorum-Bergkette, entstanden in vielen Millionen Jahren aus den Urkräften der Natur.

Julee, Julee! Herzlich willkommen in Ladakh, einem kleinen Land mit 130.000 Einwohnern hinter dem Himalaya. Das ehemalige Königreich liegt auf einer Hochwüste in 3.500 m Höhe, umschlossen von scheinbar unüberwindbaren Gebirgsketten und gehört heute zum indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir.

Wir landen in Leh, der 15.000 Einwohner zählenden Hauptstadt. Leh bedeutet Oase und war damit bereits vor Jahrhunderten wichtiger Knotenpunkt der legendären Seidenstraße. Auch heute ist Leh das pulsierende Zentrum in diesem abgelegenen Teil der Erde. Bis vor 30 Jahren wurden die Hauptstraßen dieses ehemals blühenden Handelszentrums vom bunten Bild der vorbeiziehenden Karawanen geprägt und zu jener Zeit galt es als Treffpunkt unzähliger Rassen und Nationen, die hier mit dem Warenangebot ihrer Länder Handel trieben. Nach der jahrelangen Isolation sind es heute indische Soldaten, zahlreiche Touristen und Geschäftsleute der benachbarten Provinz Kaschmir, die in den Sommermonaten das Straßenbild beherrschen. Zwischen allem Treiben sitzen Frauen in Tracht an der Straße und verkaufen ihr Gemüse und Handarbeiten.

Noch heute leben Nomaden mit ihren Tieren in dieser öden Landschaft wie schon vor Jahrhunderten. Ein Großteil der Ladakhis sorgt in den wenigen fruchtbaren Ebenen als Bauern für ihren Lebensunterhalt, von der Hauptstadt Leh mit ihrer Verwaltung und den Händlern abgesehen.

Mit dem Mutterland Indien hat Ladakh allerdings wenig gemein, denn 90% der Ladakhis sind Buddhisten und sprechen einen tibetischen Dialekt. Unbeeinflusst von allen Lebensformen ist ihre Religiosität. Der tibetische Buddhismus ist in seiner ganzen Vielfalt erhalten und allgegenwärtig und wird in tiefster Überzeugung praktiziert. Zu Recht wird Ladakh daher oft auch als „Klein-Tibet“ bezeichnet.

Perfekt angepasst an die raue Felsumgebung liegen die buddhistischen Klöster entlang der großen Flüsse Indus und Nubra abseits der Hauptverkehrswege in einsamen, steinreichen Tälern. Riesige Buddhafiguren meditieren mystisch an heiligen Orten. Die weißen Chörten, Reliquienschreine, sowie Gebetsfahnen gehören zu Ladakh wie die Berge und säumen die Wege. Immer wieder laufen wir an Manimauern vorbei. Diese findet man überall in Ladakh, besonders aber in der Nähe von Dörfern und Klöstern. Sie bestehen aus verschiedenen Steinen und Steinbrocken, in die Mantras (heilige Formeln) eingestanzt oder geritzt sind. Gläubige Buddhisten umrunden Chörten und Manimauern nur im Uhrzeigersinn.

Auch wir konnten uns diesem spirituellen Zauber nicht entziehen, sondern tauchten ein in die geheimnisvolle Welt des noch gelebten Buddhismus, immer auf den Spuren des 14. Dalai Lamas. Ladakh ist wie eine Oase der Ruhe und der Anblick der ersten Stupas war Balsam für unsere Seelen. Aus dem Autoradio erklingt das bekannte meditative Om Mani Padme Hum.

Wir besuchen eindrucksvolle buddhistische Klöster im Industal und sind zu Gast bei einem Tempelfest im Kloster Phyang, das im Stil des Potalas von Lhasa auf einem Hügel vor den Bergen thront. Alljährlich feiern die Mönche farbenfrohe Klosterfeste. Die stillen Klosterhöfe verwandeln sich in mittelalterliche Bühnen, auf denen die Mönche ihre traditionellen, rituellen Meditations- und Masken-Tänze aufführen. Von Pauken und Hörnern begleitet, breitet sich eine einzigartige Atmosphäre aus. Die Dämonen der alten Bönreligion werden symbolisch vom Buddhismus und den Schutzgottheiten besiegt. Unglaublich stark spüren wir die Aura und den Spirit dieser Zeremonie.

Die Gläubigen reisen mit prächtigen Festtagsgewändern an: Kleider aus schwarzem Tuch mit bunten Stickereien und der reich mit Türkisen bestickte Perak der Frauen werden voller Stolz getragen. Leider wird die Gastfreundschaft der Mönche immer wieder von rücksichtslosen Touristen missbraucht. Mit riesigen Objektiven werden Tänzer und Musikanten aus nächster Nähe rücksichtslos bedrängt, respektlos heilige Plätze mit Schuhen betreten und auf der Suche nach den besten Schnappschüssen Einheimische und andere Touristen rücksichtslos gerempelt und gestoßen.

Wir fahren mit dem Jeep über den höchsten befahrbaren Pass der Welt, den Khardung La (5.604 m), ins Nubra-Tal, welches erst seit 1994 für Fremde zugänglich ist. Endlos bergauf geht es in atemberaubender Fahrt auf teilweise unbefestigten, schmalen, in die Felsen gefressenen Serpentinen. Insbesondere bei Gegenverkehr bewegen wir uns beängstigend nahe am Abgrund und können uns nur auf die Stabilität der Straße und das Können unseres Fahrers verlassen. Hinter einer Kurve blockieren plötzlich nach einem Erdrutsch große Felsbrocken die Fahrbahn, die mit kräftigen Raupen in fast zweistündiger, staubiger Schwerstarbeit frei geräumt werden muss. Später hindert uns ein umgestürzter LKW an der Weiterfahrt. Solche Zwischenfälle bringen den Zeitplan immer wieder durcheinander, sind aber nichts Besonderes hier im Himalaya und entsprechend gelassen reagieren die Einheimischen.

Nach stundenlanger holpriger Fahrt erklimmen wir den Khardung La. Auch wenn aufgrund der Höhe jeder Schritt schwerfällt und der Kopf schmerzt, genießen wir bei heißem Zimt-Tee die überwältigende Aussicht auf die Bergketten. Unser Blick schweift zu zahllosen namenlosen und majestätischen Sechs- und Siebentausendern, zur Hälfte noch schneebedeckt. Die Menschen in allen Tälern ringsherum verehren den Himalaya als Heimstätte zahlreicher Götter und Dämonen. Anders, sagen sie, lässt sich die Existenz eines solchen Gebirges mit den höchsten Gipfeln der Erde und einer unglaublichen Vielfalt an Landschaften nicht erklären.

Einfache Unterkünfte in Zeltcamps und naturnahe Picknicks haben auf dieser Reise ihren besonderen Reiz und bleiben uns sicher in ständiger Erinnerung.

Bei Sonnenuntergang unternehmen wir einen gemeinsamen Kamelritt. Nach dem 15-minütigen Ausflug über Sanddünen sind einige etwas „seekrank“, aber glücklich und zufrieden in Anbetracht dieses abendlichen Erlebnisses. Mein Kamel musste beim Verabschieden sogar dicke Tränen weinen.

Wer sich seinen Blick für das Außergewöhnliche und Alltägliche am Wegesrand bewahrt, hat bei dieser Reise individuelle Erlebnisse. Manchmal genügt schon ein einfacher Spaziergang durch ein Dorf, um mit der Landbevölkerung Kontakte zu knüpfen und ihnen bei der Arbeit zuzuschauen.

Auf dieser für den Körper wegen der außergewöhnlichen Höhe anspruchsvollen Reise wurden wir durch die besondere Freundlichkeit der Ladakhis mehr als entschädigt. Manchmal sagt ein freundliches Lächeln mehr als tausend Worte. Spontane Begegnungen mit Menschen waren einmalige Gelegenheiten für kreative Urlaubserinnerungen. Die menschliche Wärme, die von den Bewohnern ausging, war faszinierend. Wir reisen ab mit dem Eindruck, eine einmalige Vielfalt an Kulturen, prachtvollen Landschaften und eine zwar sich modernisierende, aber doch noch weitestgehend in sich ruhende Himalaya-Region erlebt zu haben. Und nicht zuletzt sind es die herzlichen Menschen, die einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen.

Anflug auf Leh

Bergparadies

Berg Buddha

Gipfelstürmer

Chörten in Ladakh

Kinder

Kleiner Markt auf der Straße

Eine LKW-Panne

Das Kloster von Lamayuru

Ein Tempelfest...

...und seine Besucher

Touristen in Ladakh

Zeltcamp

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