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September 2011

Namibia

Ein Reisebericht von  Sabine Diebel

Voller Erwartungen, wibbelig, aufgeregt, aber auch etwas ängstlich, steige ich morgens um sechs Uhr ziemlich zerknittert aus dem Flieger der Air Namibia. Auf was habe ich mich da bloß eingelassen? Unbekanntes Land, unbekannte Reisegruppe und unbekannter Guide. Nachdem das Einreiseprozedere endlich überstanden ist, findet sich die Gruppe schnell bei Guide Burger ein und schwups sitzen wir alle in einem seltsam aussehenden Gefährt und werden nach Windhoek gefahren. Gleich am nächsten Tag startet die Rundreise und schnell sind alle anfänglichen Bedenken und Sorgen vergessen. Das Land nimmt einen direkt in Beschlag. Auf der Fahrt zum ersten Campingplatz düsen wir durch weite Ebenen, Gebirgszüge und wieder endlose Weiten.

Der Campingplatz am Waterberg Plateau liegt toll mitten in der Natur und die ersten Tiere werden mit der Kamera verfolgt oder hüpfen freiwillig vor die Linse. Burger warnt vor den neugierigen Affen und wir bekommen tatsächlich einen Eindruck, was er damit meint. Ein Affe klaut das T-Shirt eines Campers und lockt ihn damit von seinem Zelt weg. Sofort macht sich der Rest der Affentruppe über die anderen Gegenstände her. Ein lustiges Hin- und Herrennen ist die Folge. Nachdem alle Zelte gemeinsam aufgebaut wurden, erkunden wir bei einer kleinen Wanderung zusammen die Gegend und werden mit einem tollen Sonnenuntergang belohnt. Das ganze Plateau ist in rotes Licht getaucht. Nach der Wanderung erwartet uns bereits das erste von Christian vorbereitete Abendessen. Lekker! Das Lagerfeuer verbreitet eine tolle Stimmung und Wärme, aber bald schon krabbeln wir müde in unsere Zelte und sind gespannt, wie die erste Zeltübernachtung wird.

Um vier Uhr morgens starten wir alle mit Taschenlampen ausgerüstet zu einer Wanderung zum Sonnenaufgang auf dem Plateau. Aber Burger hat vergessen, wann die Sonne tatsächlich aufgeht und für den letzten Aufstieg über große Felsbrocken ist es noch viel zu dunkel. Somit sucht sich jeder einen gemütlichen Stein und wir warten im stockdunklen Wald auf das erste Tageslicht. Aber ich vermisse meinen warmen Schlafsack nicht oder hätte gerne noch eine Stunde länger geschlafen, denn es ist ein tolles Erlebnis, die Tierwelt um sich herum aufwachen zu hören – auch wenn mir bei dem einen oder anderen Geräusch das Herz etwas lauter schlägt. Es ist aber so spannend, dass keiner wirklich Angst hat. Beim ersten leichten Tageslicht wird der letzte Aufstieg in Angriff genommen und wir werden mit einem tollen Sonnenaufgang in den unterschiedlichsten Rottönen belohnt.

Die zwei folgenden Tage im Etosha Nationalpark sind vollgepackt mit Erlebnissen und Eindrücken. Das Zusammenspiel der Gruppe funktioniert toll, so dass das Ab- und Aufbauen der Zelte immer ganz schnell erledigt ist und jeder sich häuslich einrichten kann. Mittlerweile habe ich ein System gefunden, mich zu organisieren, auch wenn ich ständig etwas in den falschen Taschen suche. Wo war die Taschenlampe nochmal? Hat jemand einen Flaschenöffner? Wo war das Moskitoabwehrmittel? Passt euer Adapter? Wo ist die Aufladestation? Burger schickt uns sofort zum beleuchteten Wasserloch des Campingplatzes Okaukuejo mit den Worten: „Ich will hier niemanden vor Mitternacht im Zelt sehen.“ Er sollte Recht behalten, es wird weit nach Mitternacht bis ich das Zelt aufsuche. Ein ständiges Kommen und Gehen von Elefanten, Giraffen, Zebras, Springböcken, Schakalen und tatsächlich auch von Nashorn mit Nachwuchs lässt einen gebannt die Zeit vergessen. Die Pirschfahrten im Nationalpark sind voll mit Tiererlebnissen und die Speicherkarte der Kamera wird ziemlich schnell voll. Helle Aufregung herrscht nachdem wir einen Springbock hoch im Baumwipfel liegen sehen. Wo ist der Leopard, der seine Mahlzeit beenden will? Banges Warten, 16 Augenpaare durchforsten die Umgebung, aber nichts ist zu sehen. Als letztes Hilfsmittel legt Burger eine CD mit Löwengebrüll auf. Und tatsächlich, da rennt etwas aufgeschreckt davon… Aber es sind leider nur zwei Hyänen. Das nächste Wasserloch entschädigt jedoch für den nicht gesehenen Leopard. Sechs verschiedene Antilopenarten, Zebras, Giraffen, Warzenschweine, Gnus und alles teilt sich friedlich das notwendige Wasser. Es herrscht eine Ruhe, die nur durch das Klicken der Kameras gestört wird. Als am nächsten Wasserloch eine 40-köpfige Elefantenherde sich erst mit Schlamm einspritzt und danach ein Sandbad nimmt, sind wir uns alle einig, dass dies kaum noch zu toppen ist. Wir wussten ja nicht, was uns noch erwartet. Auf der Fahrt zum nächsten Wasserloch treffen wir auf eine Löwenfamilie. Der Vater liegt majestätisch im Schatten und beobachtet wie sein Nachwuchs herumtollt und sich gegenseitig ärgert. Zwei Löwinnen trollen sich dazu und bringen wieder Ordnung in die fünf Halbstarken. Sie scheinen sich überhaupt nicht an den ganzen Autos zu stören, denn es hat sich in Windeseile im Park verbreitet, dass hier Löwenbabys zu sehen sind.

Die Besichtigung eines Himbadorfes an einem der nächsten Tage hinterlässt einen tiefen Eindruck. Auch wenn ich es sehr befremdlich finde, vorher mit der Kamera auf Tierjagd gewesen zu sein und nun die Himbas fotografiere, als wären sie ebenfalls eine Sensation. Natürlich faszinieren die rote Haut und das Herstellen des Maisbreis. Kleine Kinder weinen, weil die Mutter gerade Wasser holen geht, nur bedeckt mit einem Tuch und Plastikschuhen an den Füßen. Gespielt wird mit alten Flaschen und keiner stört sich an laufenden Nasen, dreckigen Händchen und Fliegen, die sich nicht verscheuchen lassen. Kann man wirklich so leben wollen? Aber auch in diesen für mich befremdlichen Leben gibt es Ordnung und System. Der Markt zum Verkauf von Schmuck und Holzgegenständen darf von uns erst betreten werden, wenn alle Frauen fertig aufgebaut haben. Gleiches Recht für alle. Von dem hier verdienten Geld wird den Kindern etwas gekauft oder die Handykarte wieder aufgeladen. Und der stolze Blick auf die von ihnen gemachten Fotos und das Lachen der Kinder, wenn sie in die Luft gewirbelt werden, lässt einen die anfängliche Scheu vergessen.

Für die Übernachtung auf dem Campingplatz Palmwag erhalten wir von Burger ein paar Verhaltensregeln, die uns wieder daran erinnern, dass wir uns eigentlich in der Wildnis aufhalten. Durch die Schönheit der Natur und das ständige Entdecken von Tieren vergisst man schnell, welche Gefahren es hier auch gibt. Es kann durchaus vorkommen, dass sich Elefanten auf der Suche nach Nahrung auf den Campingplatz verirren. Also Augen und Ohren auf beim nächtlichen Gang zu den sanitären Anlagen. Ein großer Stein kann durchaus auch etwas anderes sein. Aber bereits beim Abendessen, als alle um das Lagerfeuer herum sitzen mit Blick in diesen wahnsinnigen Sternhimmel, sind alle Warnungen schnell vergessen. Bei allen Zeltübernachtungen ist dann auch tatsächlich nichts Schlimmes passiert. Lediglich bei der Übernachtung auf dem Zeltplatz bei der weißen Lady sind mitten in der Nacht Esel am Zelt vorbeigerannt und haben geschrien, so dass man glaubte, der Löwe sei hinter ihnen her. Oder man hörte das Schnüffeln der Schakale am Zelt auf der Suche nach Nahrung. Auch das Duschen wurde manchmal zu einem unfreiwilligen Erlebnis, wenn Esel und Ziegen aufgeregt die sanitären Anlagen umlagerten, um das Duschwasser zu saufen.

Ich war nicht nur von Namibias Tierwelt beeindruckt. Auf den Wanderungen ist man immer wieder von der abwechslungsreichen Landschaft, dem sich ständig wechselnden Erscheinungsbild von endloser Steppe zu hohen zerklüfteten Bergketten, gefesselt. Das gelbliche Steppengras verwandelt weite Ebenen in ein gelbes Meer. Auch die Wanderungen zur Besichtigung der Felsgravuren von Twyfelfontein und die Felszeichnungen der weißen Dame zeigen einem die Vielseitigkeit des Landes. Ausgedörrte Flussbetten, vertrocknetes Gras, trockene Bäume und doch immer wieder dazwischen eine Blüte, eine Pflanze, die es in der Trockenheit geschafft hat zu überleben.

Ein besonderes Erlebnis war die Pirschfahrt auf der Suche nach den seltenen Wüstenelefanten in dem Gebiet um Brandberg. Eine wilde, holperige Fahrt kreuz und quer durchs Flussbett und wieder hinaus in die Ebene, immer wieder ein kurzer Stopp, bei dem Burger nach frischen Spuren sucht. Wir werden im Bus gut durchgerüttelt und hüpfen auf unseren Sitzen auf und ab. Burger hat der Ehrgeiz gepackt, da er sich ziemlich sicher ist, dass die Elefanten ganz in der Nähe sein müssen. Dann endlich der Ausruf: Da steht ein grauer Arsch am Flussbett. Das Herz schlägt schneller, die Kamera wird geschnappt, langsam läuft man in die angegebene Richtung, immer auf den Wind achtend und Burger im Auge, ob er uns zurückruft oder ob wir weiter dürfen, und dann endlich: fünf Wüstenelefanten mit Nachwuchs. Lange beobachten wir, wie die Tiere nahrungsaufnehmend durch die Ebene ziehen und als die Bergkette im Hintergrund sich vom Sonnenuntergang rot färbt, wird es fast schon kitschig, so schön ist das, was wir da zu sehen bekommen. Lange erzählen wir uns am Lagerfeuer noch dieses Erlebnis.

In der dritten Woche geht es in den Süden Namibias. Einerseits sind wir froh, dass nun das Zelten ein Ende hat, andererseits haben wir uns schnell an den Rhythmus gewöhnt und daran, dass Christian immer für unser leibliches Wohl gesorgt hat. Sei es die erste Tasse Kaffee am Morgen, während wir noch unsere Knochen sortierten oder schon wieder die Zelte abbauten, oder sein berühmtes Chicken-Curry, von dem wir lange schwärmten. Auch wenn Burger meinte, es wären derzeit nicht viele Robben bei Walvis Bay, so staunen wir doch und können nicht begreifen, was das Auge sieht. Robben, wo man auch hinschaut. Wie sieht das dann aber aus, wenn wirklich viel los ist?

In Swakopmund trennen sich leider unsere Wege von Burger und Christian, und Roger übernimmt die letzte Woche unserer Rundreise. Beim gemeinsamen Abendessen heißt es somit ein letztes Mal: Auf auf, meine lieben Bockies! In Swakopmund treffen wir auf viele deutsche Einflüsse. Man vergisst schon fast, dass man in Namibia ist. Überall ein freundliches „Guten Tag“ und jede Frage wird auf Deutsch beantwortet. Dabei hilft natürlich auch der Käsekuchen oder die Schwarzwälder Kirschtorte. Der Rundflug (nicht im Reisepreis enthalten) über den Kuiseb Trockenfluss, die Namibwüste und Sossusvlei lässt einen die Weite des Landes begreifen. Und als man am nächsten Tag am Fuße der Düne 45 in Sossusvlei steht, ist es wieder eine andere Dimension, die man erlebt. Das unterschiedliche Schattenspiel auf den Dünenwänden, die sich im Tagesverlauf ständig ändernden Rotfarben des Sandes und dann unser seltenes Glück, dass in Sossusvlei zu dieser Jahreszeit noch Wasser ist, in dem sich die Düne spiegelt.

Ein toller Abschluss der dreiwöchigen Reise ist der Fish-River-Canyon. Eigentlich denkt man, dass einen nach den letzten Tagen der unendliche Weite Namibias nichts mehr beeindrucken kann, aber dieser Canyon übertrifft meine Erwartungen und ich stehe ungläubig am Rand und vor mir liegen unterschiedliche Gesteinsabstufungen bis tief ins Tal, durch das sich ein Fluss entlangschlängelt. Die Mittagspause mit Blick in den Canyon bleibt unvergessen.

Viel zu schnell ist der letzte Tag der Reise da und bei einem Windhoek-Lager und Wildgerichten in „Joes Bierhaus“ verabschieden wir uns voneinander und ich bin mir sicher, dass ich dieses Land nicht zum letzten Mal gesehen habe.

Unsere Namibia-Abenteurer...

...erklimmen die Gipfel...

...und erleben die endlose Weite Afrikas

Affen

Das Waterberg-Plateau im Abendlicht

Löwe - der König der Tiere...

...und eine Löwin mit Babies

Giraffe - zum Greifen nah!

Hungrige Hyänen

Antilope

Tiere an einer Wasserstelle

Antilopen und Zebras stillen ihren Durst

Eine Elefantenherde

Namibia im Sonnenuntergang

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