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Februar 2013

Südindien

Ein Reisebericht von  Peter Vollmann und Margarete Lehmann

Shiva, der kosmische Tänzer: Eine Reise durch Südindien und die schier unendliche Götterwelt.

„Was bleibt?“, darf der fragen, der drei Wochen durch Südindien gereist ist – durch Tamil-Nadu, Kerala und Karnataka – das irgendwie irgendwo mit seinen 30 Millionen Göttern leicht unverstehbar bleibt, die den Alltag beherrschen bis in die feinsten Verästelungen. Tempel über Tempel ragen in den, wie uns schien, ewig blauen Himmel, kleine Tempel, große Tempel, bunte Tempel oder ganz uni-granitfarben-helle Tempel, bis 70 Meter hoch waren die pyramidenförmigen Eingangstore, die gopuras, oder nur sieben Meter hoch der ganze Tempel, eine faszinierende Welt aus abertausend Tonnen Stein, zur Besänftigung der Götter, deren Segen die Menschen in Indien brauchen, denn ihr Leben ist von Unwägbarkeiten durchdrungen, mitunter bis an die Grenze des Daseins. Die Götter, das merkt der Besucher schnell, schenken Halt. Im Vertrauen auf sie, auf ihre unendliche Machtfülle, ertragen die Einheimischen den oft genug schweren Alltag, mit nur ein paar Rupien in der Hand, mit ungewisser Zukunft, in schrecklicher Armut. Und doch sind sie zufrieden, sie lachen, sind sanft und geduldig, freundlich und dankbar für jede Aufmerksamkeit.

Mit World Insight durch dieses Land der Widersprüche zu reisen, mit einem erfahrenen Führer aus Kerala, geboren nahe den Backwaters, einem Wassernetz parallel dem Arabischen Meer, das bleibt unvergesslich und einmalig.

Tiger gibt’s sogar noch (oder wieder) im Land, doch mehr im Verborgenen, man sieht sie nicht, spürt aber ihren gierigen Atem. Die Landschaft in der Ebene ist von Reisfeldern geprägt, in goldgelben oder grünen Schattierungen, in den Bergen dagegen herrscht die Teepflanze vor, die Hänge hoch und runter, in saftigem Grün in allen Stufungen, über ihnen vereinzelt die Kronen von Schattenbäumen; denn die Teepflanze ist empfindlich, was Feuchtigkeit und Hitze betrifft, sie braucht ein ganz eigenes Klima. Der Anblick der ausdehnten grünen Flächen wirkt ermunternd und beruhigend zugleich, wirkt wie der stete zuverlässige Fluss der Zeit, auf den sich der Mensch verlassen kann. Der Reisende spürt, er ist nahe am Puls, wie man so sagt, hier regiert die Natur, die uns wohl gesonnen ist, natürlich haben die Götter wieder die Hand im Spiel, Brahma, Shiva und Vishnu, der Erhalter. In verschiedensten Inkarnationen lassen sie sich immer mal wieder in der wirklichen Welt sehen, Buddha war der bisher letzte von ihnen. Der Hinduismus in all seiner Vielfalt ist eine tolerante Religion, weit entfernt von allen Ansprüchen monotheistischer Gottwelten.

Indien ist bunt und quirlig. Naive kindliche Freude bereichert die Götterverehrung. In den großen Tempeln speisen Priester die Götterfiguren mit Reis, waschen in fremd wirkenden Zeremonien ihre steinerne Erscheinung, salben sie, ein Elefant sammelt mit seinem Rüssel Geld von den Besuchern für den Erhalt der Tempel, klopft dem Spender zum Dank mit dem Rüssel auf den Kopf. Shiva tragen sie jeden Abend in einer schmuckverzierten Sänfte zu seiner Gattin Pavarti (oder umgekehrt?), zu der er allein nicht gelangen kann, jeden Morgen holen sie ihn wieder ab, denn auch Götter haben ihre Bedürfnisse. Tausende bunte Figuren außen an den Gopuras erzählen Geschichten von Göttern, denen gleiche Geschichten wie uns Menschen geschehen. Der Kreislauf des Lebens schließt sich immer wieder, manchmal schießen Dämonen quer, dann müssen die Götter helfen. Die Dämonen lieben halt schöne Frauen, auch sie tragen menschliche Züge.

„Die Malaria ist bei uns im Süden ausgerottet“, verkündet stolz unser Reiseführer Sahajan, was so viel wie Bruder heißt. Und so nehmen wir aufrechten Sechzehn der Reisegruppe die vereinzelte Stiche autanresistenter Mücken gelassen hin. Viel heimtückischer sind die kleinen Biester im Wasser aus der Leitung, die manchen in die Hocke zwingen. Doch das sind alles nur kleine Malaisen gegen die Macht der Kunst und der tropischen Schönheit ringsum. Eine Welt wie geschaffen auch für Vegetarier und Fischfreunde, Fische von rechts aus dem Golf von Bengalen oder von links aus dem Arabischen Meer oder aus der Mitte, den Backwaters und Flüssen.

Die Wasserflasche in der Hand, einen Hut auf dem Kopf, Schuhe und Strümpfe beim Wachhabenden vor dem Tempel, so ziehen wir von Stadt zu Stadt, von Chennai aus ins Landesinnere ins magische Dreieck um Mysore herum, den berühmten Meenakshi-Tempel und vieles mehr bleibt unvergesslich im Kopf. Am Ende landen wir eigentlich ganz unwirklich in Kovalam am Meer, drei Tage der Ruhe und Rückbesinnung, sitzen gemütlich bei scharfem Essen beisammen und genießen das ruhelose Rauschen des Ozeans an unserer Seite. Jetzt schlafen auch die allgegenwärtigen Krähen, die tagsüber jeden unserer Schritte beobachten, krächzend natürlich.

Eine Geschichte muss unbedingt noch erzählt werden, weil sie sich um Mädchen und Frauen kümmert, die in Indien immer noch nicht den Respekt bekommen, der ihnen gebührt: Im Dorf ILANKUDI PATTI, genauer neben dem Dorf im dichten Wald an einem schmalen Weg stehen zu beiden Seiten tönerne und hölzerne Pferde, dicht an dicht, an die Tausend bestimmt, schulterhoch, zum Teil am Zerfallen, in endloser Reihe. „Shiva“, erzählt unser Guide, „bevor er auf dem Stier Nandi stets daher ritt, benutzte ein Pferd. Hierauf spielt das Kunstpferdopfer in Ilankudi an. Eltern, die nur Söhne geboren haben, bitten Shiva im Tempel Ayyanar um die Geburt eines Mädchens. Geht der Wunsch in Erfüllung, kehren sie in einem Jahr in das Dorf zurück und spenden dem Gott ein Pferd“. Eine rührende, schöne Geschichte.

Insgesamt war es eine wunderbare Reise für Liebhaber aller schönen Künste, fremder Welten, scharfer Essen, tropischer Hitze und orientalischer Buntheit. Kann man denn noch mehr verlangen?

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