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September 2015

Wo die Sonne untergeht

Ein Reisebericht von  Birgit Clauss

Birgit Clauss und ihr Mann erlebten bei ihrer ersten Gruppenreise an der Seite von Reiseleiter Ahmed in Marokko ein Märchen aus 1001 Nacht!

Am 12. September sollte unsere Reise nach Marokko starten. Zum ersten Mal hatten sich mein Mann und ich für eine Gruppenreise entschieden und wir waren gespannt, wie uns diese Form des Reisens gefallen würde. Am Flughafen in Casablanca werden wir von unserem Reiseleiter Ahmed abgeholt und noch am Abend bekommen wir einen ersten Eindruck von Marokko. Wir trinken unseren ersten Pfefferminztee, der uns die ganze Reise über begleiten soll. Beim ersten gemeinsamen Abendessen stellen wir fest, dass wir eine fröhliche Gruppe sind, die gut zusammenpasst. Ahmed macht uns mit den Gepflogenheiten des uns fremden Landes bekannt und gibt uns wertvolle Tipps für unseren Aufenthalt. Als Nomadenkind im Atlasgebirge und in der Wüste aufgewachsen, kennt er sich bestens aus. Zugleich verblüfft er uns, wenn er zwischen Deutsch, Marokkanisch, Französisch und Englisch mühelos hin und her wechselt.

In den folgenden Tagen besuchen wir die Königsstädte Rabat, Fès und Meknès mit ihren farbenfröhlichen Souks und alten Kulturschätzen. Vor allem der Handwerkermarkt in Fès beeindruckt uns. Unter einfachsten ­– für uns eigentlich nicht mehr vorstellbaren Bedingungen – werden Töpfereiwaren, Mosaiken, Stoffe und vieles mehr hergestellt. Die Handwerker präsentierten uns stolz und mit vielen Erklärungen ihre Handwerkskunst.

Während der langen Fahrt über das Atlasgebirge in die Wüste erzählt uns Ahmed mit viel Liebe und großem Sachverstand spannendes über die Geschichte und die Kultur seines Landes und erklärt uns seine Traditionen. Er kritisiert allerdings auch seine Landsleute wegen ihres sorglosen Umgangs mit der kostbaren Ressource Wasser und dem Müll, der leider immer eine Stadt ankündigt. Wir fahren durch herrliche Landschaften und die Zeit vergeht wie im Flug. Ahmed erzählt mit viel Witz und auf unnachahmliche Weise von sich und seinen Erlebnissen, sodass wir oft lachend im Bus sitzen. Aus meinem Tagebuch, das ich wegen der vielen Eindrücke begonnen hatte zu schreiben, wird ein Buch mit Ahmeds Geschichten.

Als wir in der Wüste in Merzouga ankommen, ist der Innenhof der Auberge von Laternen beleuchtet. Männer in fantastischen, blauen Gewändern bedienen uns an einer langen Tafel. So kitschig es klingen mag: wie in einem Märchen aus 1001 Nacht. Die Spannung steigt, denn der Ausflug in die Wüste steht an. Der Ritt durch die Dünen ist ein beeindruckendes Erlebnis und – kleiner Tipp – dank einer Fahrradhose unter meiner langen Hose auch recht angenehm. Nach zwei Stunden in der Hitze der Wüste kommen wir an. Im komfortabel ausgestatteten Beduinencamp werden wir freundlich empfangen. Wir warten ab, bis die Sonne hinter der Düne versinkt, ehe wir auf die 220 m hohe Düne steigen. Der Blick von oben entschädigt die Mühe des Anstiegs. Mit Bier und Wein, die wir im Rucksack hochgetragen hatten, genießen wir den weiten Blick und das Farbenspiel der Dünen als die Sonne untergeht. Dieser Moment wird für mich das Highlight der Reise. Die weite, fast menschenleere Landschaft und die Stille der Wüste lassen alles andere vergessen und eine große innere Ruhe steigt in mir auf. Nur schwer können wir uns von diesem Anblick trennen.

Nach dem Sonnenuntergang rennen wir übermütig die steile Düne hinunter ins Beduinencamp. Ahmed voraus und wir hinterher. Nach dem Essen werden alle Lichter im Camp ausgemacht und wir sehen in den Sternenhimmel, an dem sich die Milchstraße klar abzeichnet. Welch ein Sandkorn sind wir doch in dieser unendlichen Weite des Weltalls.

Früh am Morgen geht es auf den Rückweg. Still reiten wir durch die rot aufglühenden Dünen und sind gebannt von dieser atemberaubenden Landschaft, die für mich etwas Unwirkliches hat. Wieder in Merzouga zurück, brauche ich eine Weile, um wieder in der Realität anzukommen. Gerne wäre ich noch einen Tag geblieben, um dieses Erlebnis nachwirken zu lassen. Aber unsere Fahrt geht weiter.

Wir lernen von Ahmed noch viel über das Leben der Berber kennen. Zum Beispiel bei unserer wunderschönen Wanderung durch eine Oase oder beim Besuch der Kasbah (Lehmburg) von Aït Benhaddou. An vielen Gegenständen, die in den Gassen verkauft werden, wären wir achtlos vorbeigegangen, hätte uns nicht Ahmed die Bedeutung erklärt und uns mit Geschichten und Legenden das Alltagsleben der Berber nahegebracht. So stellten sich zum Beispiel hübsch verzierte Holzgegenstände als Heringe für Nomadenzelte heraus. Auch erzählt Ahmed, wie er früher als Schulkind Holztafeln als Schulhefte nutzte, bevor sie später die Abschlusszeugnisse waren. Aus bunten Berberteppichen, die rechts und links die Straßenstände schmücken, "liest" Ahmed wie in einem Buch.

In unserer Kasbah in der Dades-Schlucht, in der wir übernachten, tanzen und trommeln wir mit Einheimischen bis in die späte Nacht. Auf unserer Fahrt ins Gebirge werden wir von einer Berber-Familie in ihr bescheidenes Lehmhaus eingeladen. Obwohl der Wohnraum schlicht ist, wirkt er gemütlich und unser freundlicher Gastgeber lädt uns mit großer Würde zu einem Tee mit Brot und Oliven ein. Diese Lebensfreude und der Stolz dieser Menschen haben mich sehr beeindruckt.

Auf der Fahrt nach Essaouira machen wir Stopp bei einer Frauenkooperative die von WORLD INSIGHT unterstützt wird. Sie stellt Arganöl und viele Produkte daraus her. Die Frauen zeigen uns, wie die Nüsse mit einem Stein aufgeschlagen werden und wir werden freundlich aufgefordert, es selbst einmal zu probieren. Als es mir gelingt, bekomme ich Arganfrüchte und Nüsse als Erinnerung in die Hand gedrückt. Eine junge Verkäuferin zeigt mir zurückhaltend aber stolz ihre Produkte und ich kaufe – wie könnte es anders sein – mehr als geplant. Gerne hätte ich mich mit ihr noch ein wenig über ihr Leben und ihre Familie unterhalten, aber die Fahrt geht weiter.

In Essaouira, einer lebendigen Stadt am Atlantik, lernen wir weitere Facetten des Landes kennen. An einem Tag Sandstrand und Reggae in der Tanzbar und am nächsten Tag die Religiosität beim beginnenden Hammelfest.

Bei der Fahrt Richtung Casablanca ist zum ersten Mal die Stimmung gedämpft. Allen wird bewusst, dass ein schöner, erlebnisreicher Urlaub zu Ende geht.

Wir hatten gelernt im Souk zu feilschen, wenn uns die Händler mit viel Charme zu einem Einkauf überreden wollten, um dann mit großen Gesten und viel Gelächter einen "demokratischen Preis" auszuhandeln. Falls der Einkauf nicht zustande kam, wurden sie allerdings nie aufdringlich, sondern ließen uns bedauernd gehen.

Wir hatten Tajine, Grillspieße und Berber-Omelette gegessen, genauso wie geriebenen Kreuzkümmel als Vorbeugung oder bei Problemen mit dem Magen.

Wir hatten die Marokkaner und Berber als offene, freundliche und fröhliche Menschen kennengelernt, egal ob wir uns nun unterhalten oder nur mit Blicken sprechen konnten. Aus Ahmed war ein Freund geworden, mit dem wir viele interessante Gespräche und viel Spaß hatten. Ohne unseren einheimischen Reiseleiter hätten wir vermutlich nicht so guten Kontakt zu den Menschen und ihrer Kultur bekommen. Die perfekt organisierte Reise mit den Übernachtungen in wunderschönen Kasbahs und Riads hatte alle unsere Erwartungen übertroffen.

An unserem letzten Abend gehen wir gemeinsam mit Ahmed und unserem Fahrer zum Essen. Der freundliche Jamal hatte uns mit großem Verantwortungsbewusstsein sicher die lange Strecke gefahren, über die höchsten Pässe und durch die engen, für uns chaotischen Straßen der Städte gebracht. Der Abschied am Flughafen fällt uns schwer.

Wieder daheim in Deutschland hängt ein kleines, geflochtenes Kamel aus Schilf an meinem Fenster. Es erinnert mich an die Tage in der Wüste und ich träume von der Ruhe und endlosen Weite beim Blick von der Düne und dem Farbenspiel beim Sonnenauf- und untergang. Vielleicht kann ich etwas von der Lebensphilosophie der Marokkaner "Die Zeit bestimmt nicht uns, sondern wir bestimmen die Zeit" in meinen Alltag retten und, Inschallah (so Gott will), vielleicht kommen wir irgendwann zurück und sehen uns wieder.

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